USA und Deutschland: Umsatz bei Sportwetten stark gewachsen

Auf das schnelle Geld ist der Investor wohl nicht aus. Sämtliche Gewinne für 2016 hat er Tipico für Investitionen belassen. An anderer Stelle war er weniger sparsam. So weist der Tipico-Abschluss für 2016 fast 50 Millionen Euro „Reorganisationskosten“ aus, hinter denen sich ein „Bonusprogramm für Beschäftigte“ verbergen soll. Tatsächlich sind die Zahlungen an die Directors genannten Top-Manager von Tipico 2016 von 7,5 Millionen auf mehr als 60 Millionen Euro gestiegen.

  • Ein Teil der Umsätze wird als Spielerschutzabgabe zur Förderung von Suchtprävention verwendet
  • Umsatzsteuer (19%) und Glücksspielsteuer (5% des Einsatzes) werden auf die Umsätze erhoben
  • Nettospielertrag (Umsatz minus Gewinnausschüttungen) ist die Basis für die Besteuerung
  • Steuereinnahmen aus Sportwetten fließen in die Haushalte der Bundesländer und des Bundes

Ob es sich dabei um Abfindungen für zwei abgelöste Manager oder sonstige Zahlungen handelt, wollen CVC und Tipico nicht kommentieren. Wer auch immer kassiert hat: Der Einsatz hat sich gelohnt. Regelmäßig veröffentlicht die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) Zahlen, die den Umsatz der legalen Sportwettenanbieter maßlos übertreiben. Auch im aktuellen Bericht für das Jahr 2023 setzt die DHS anstatt der korrekt berechneten 7,72 Milliarden Euro eine Zahl von 12 Milliarden Euro Umsatz in die Welt, was eine absurde Steigerung von 28,6 Prozent bedeuten würde – obwohl der Markt tatsächlich um 5,4 Prozent geschrumpft ist. Die Umsätze legaler Anbieter lassen sich problemlos anhand der offiziell gemeldeten Steuerdaten exakt nachvollziehen. Auf jeden Euro, der in Deutschland im legalen Markt eingesetzt wird, fallen 5,3% Sportwettensteuer an.

Altersgruppe Umsatzanteil Durchschnittlicher Monatsumsatz pro Kunde Bevorzugte Plattform
18-29 Jahre 28 % 85 € Mobile App
30-44 Jahre 41 % 112 € Mobile / Desktop
45-59 Jahre 24 % 98 € Desktop / Ladengeschäft
60+ Jahre 7 % 65 € Ladengeschäft / Desktop

Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht jeden Monat Zahlen der angefallenen Steuern. Bereits in den vergangenen Jahren haben wir und andere Experten die fragwürdigen Methoden und Quellen, die zu diesen falschen Zahlen führen, scharf kritisiert. Auch der Glücksspielforscher Tilman Becker bestätigte in einem Beitrag damals die Kritik an den Berechnungen der DHS. Bei den aktuellen Berechnungen der beiden Bremer Psychologen Herrn Hayer und Herrn Meyer stellt sich daher unweigerlich die Frage: Woher kommt dann die enorme Differenz von mehr als vier Milliarden Euro in den Zahlen der DHS? Die logische Konsequenz kann eigentlich nur sein: Die Differenz repräsentiert offensichtlich den illegalen Schwarzmarkt, den die DHS durch ihre Berechnungen erstmals beziffert.

Drastischer Zuwachs an Sportwetten: Deutschlands Sonderweg

Die Wettquoten errechnen sich aus solchen Informationen – und aus den Geldströmen, mit denen die Tipper auf Mannschaften oder Ereignisse im Spiel setzen. Während des Spiels würden die Quoten zu Live-Wetten größtenteils automatisch vom Computer errechnet. So habe bei der Fußball EM 2008 der Außenseiter Türkei viele Spiele in den letzten Minuten zu seinen Gunsten gedreht. Solche unvorhergesehenen Wendungen sind jedoch die Ausnahme, gewöhnlich funktionieren Speckenbachs Algorithmen wie gewünscht. „Man muss als Buchmacher immer im Auge haben, dass der Spieler gewinnen will.

Steuern und Abgaben

Bei einer WM werden bis zu 95 Prozent der Einsätze wieder ausgeschüttet“, sagt Speckenbach. Für seinen Arbeitgeber bleibt trotzdem noch genug. Laut dem letzten im Handelsregister von Malta veröffentlichten Abschluss hat Tipico 2016 bei einem Umsatz von 537 Millionen Euro 153 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Zahl der Wetten wurde um sieben Prozent gesteigert, der jährliche Umsatz pro Kunde auf stolze 650 Euro. Noch lukrativer war das deutlich kleinere Onlinecasino. Sollte dies nicht der Fall sein und wieder einmal durch fehlerhafte Berechnungen der legale Markt falsch abgebildet worden sein, so fordern wir die DHS wie bereits in der Vergangenheit zu einer Korrektur auf. Leidtragende einer bewussten oder unbewussten Verzerrung der Bremer Forscher sind nicht nur die legalen Anbieter, deren Ruf durch falsche Umsatzangaben beschädigt wird, sondern letztlich auch Verbraucher, Politiker und Regulierungsbehörden, denen so ein falsches Bild des Glücksspielmarktes präsentiert wird.

Ereignis Geschätzter Umsatz in Deutschland Top-Wettmarkt Besonderheit
Fußball-EM 2024 (Deutschland) ~ 1,8 Mrd. € Turniersieger +40% vs. EM 2021
Champions League Finale ~ 210 Mio. € Sieger / Torschütze Höchstes Einzelspiel 2024
Formel 1 Großer Preis Deutschland ~ 85 Mio. € Sieger / Podium Starkes Live-Wetten Aufkommen
Wimbledon (Herrenfinale) ~ 65 Mio. € Matchsieger / Sätze Hohe Einsätze pro Wette

Es ist höchste Zeit für Transparenz und Präzision.

Wettanbieter als Sponsoren im Sportbusiness

und Mladen P. sind in den folgenden Jahren in führenden Positionen für Tipico tätig. Dieter P. arbeitet bis 2014 in der Kanzlei von Wolfgang K. als Anwalt mit der Spezialität Glücksspielrecht – und tritt bei vielen Prozessen in eigener Sache auf.

Banijay hofft auf 100 Millionen Euro Plus

In Deutschland ist privates Glücksspiel 2004 verboten, von Malta aus ist es dank europäischer Dienstleistungsfreiheit möglich und hat sich dort mittlerweile zu einer der größten Branchen entwickelt. Tipico betont, dass der Standort auf der Mittelmeerinsel mehr ist als eine Briefkastenfirma. Im Portomaso Business Tower in der Stadt St. Julians beschäftigt die Firma rund 250 Mitarbeiter. Einer der wichtigsten ist gerade über einen Videobildschirm in einen schmalen Konferenzraum in Karlsruhe zugeschaltet. Die DHS und ihre Autoren sollten dringend ihre Methoden hinterfragen – denn Fehlinformationen dieser Größenordnung schaden der Glaubwürdigkeit aller Beteiligten und dienen letztlich nur denen, die im Schatten der Illegalität operieren. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper erläuterte auf einer IOC-Konferenz die finanzielle Bedeutung von Sportwetten und Lotterien für den Sport. Ende Juni hat sich eine Konferenz des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne mit dem Thema Sportwetten und der Frage befasst, wie die Integrität des Sports geschützt werden könne. Auf dieser Konferenz, zu der Vertreter des IOC, internationaler Sportverbände, staatlicher Stellen, aus der Wettbranche und von Nationalen Olympischen Komitees wie dem Deutschen Olympischen Sportbund geladen waren, stellte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper beispielhaft die Finanzierung des deutschen Sports auch durch Glücksspiel und Wetten vor.

Sportwetten in Berliner Sportvereinen ein Thema

Benjamin Speckenbach trägt Poloshirt und Mehrtagesbart, trotz des legeren Looks redet der Chef von insgesamt 150 Buchmachern wie ein Banker. Er spricht von „liquiden Märkten“, vom „Traden“, von „Risikomanagement“ und „Margen“. Sein Job ist es, im Spiel mit dem Zufall möglichst wenig dem Zufall zu überlassen. Die WM, sagt er, sei für die Branche im Idealfall „wie ein dreizehnter Monat“. Fußball ist mit großem Abstand vor Tennis der beliebteste Wettsport, das Geschäft hat deshalb sonst im Sommer eine kleine Delle, wenn die Bundesliga pausiert.

Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen

„Die WM ist für uns aber auch wichtig, weil wir in dieser Zeit viele Neukunden gewinnen können. Viele wetten dann fünf oder zehn Euro. Für uns ist es eine Herausforderung, diese Spieler auch nach der WM zu halten“, sagt Speckenbach. Trotz des deutlich größeren Wettaufkommens ist das Turnier auch für ihn und sein Team eher Alltagsgeschäft. „Im Gegensatz zu Nischensportarten gibt es über Nationalmannschaften genügend Informationen, wichtige Referenzpunkte haben wir etwa aus den Qualifikationsspielen“, sagt Speckenbach. „Sportwetten und Lotterien werfen nicht nur ethische und rechtliche Fragen auf, sondern es geht dabei auch ums Geld. Sie haben für den Sport eine enorme finanzielle Bedeu-tung. In Deutschland bilden sie mit fast 500 Millionen Euro jährlich eine tragende Säule der Sportfinanzierung. Ohne sie könnte der Sport seine bedeutsamen Leistungen für das Gemeinwohl nicht erbringen.

  • Umsatz aus Sportwetten in stationären Wettannahmestellen (Ladengeschäfte) ist rückläufig
  • Partnerschaften von Wettanbietern mit Sportvereinen und -ligen beeinflussen die Umsatzgenerierung
  • Social Betting und Community-Wetten sind neue, umsatztreibende Trendformate
  • Umsatz aus Wetten auf politische oder Unterhaltungsereignisse ist in Deutschland nicht erlaubt

Darum ist es existentiell wichtig, diese Mittel für den Sport langfristig zu erhalten und möglichst auszubauen. Neben den Geldern aus den Glücksspielerträgen sind es vier weitere Quellen, die das ganze Feld des Sports in Deutschland bewässern und dafür sorgen, dass es blüht: zweitens die Einnahmen aus Vermarktung und Sponsoring, von der Ebene der örtlichen Vereine über die Landesfachverbände bis hin zum Spitzensport in den nationalen Fachverbänden und im DOSB. Hierzu zählen auch die Mittel aus dem IOC-TOP-Programm; drittens fließen weitere Drittmitteletwa für konkrete Projekte von Stiftungen oder aus Olympic Solidarity; und viertens die Förderung des Staates, die dieser auf allen drei Ebenen, nämlich durch Bund, Länder und Kommunen gibt. Während sich die Kommunen und die 16 Länder überwiegend um den Breitensport, einschließlich des Schulsports, kümmern, zielt der Bund fast ausschließlich auf den Spitzensport. Hier ist es uns gelungen, trotz Finanzkrise und Sparhaushalten seit Gründung des DOSB erhebliche Steigerungen durchzusetzen.

Andere Länder mit strengeren Regeln

Bei rund 26 Millionen Euro Umsatz warf es fast 19 Millionen Euro Gewinn ab. Aktuell muss Tipico nicht damit rechnen, dass der Geldfluss versiegt. Sportwetten sind in Deutschland zwar nach wie vor illegal. Ihre Anbieter dürfen aber nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs nicht strafrechtlich verfolgt werden. Seit vielen Jahren ringen die Bundesländer um eine abschließende Regelung in einem neuen Glücksspielstaatsvertrag, bet sportwetten anbieter ohne lugas ein Ergebnis ist derzeit nicht in Sicht.

Spielsucht nicht beschränkt auf Sportwetten

„Für die privaten Anbieter ist die Rechtsunsicherheit sogar von großem Vorteil“, sagt Professor Tilman Becker von der Universität Hohenheim. Die staatliche Konkurrenz dürfe nicht aktiv werden, während sie den Markt unter sich aufteilen. Auf dessen Wachstum spekuliert nun auch CVC. Der Fonds setzte sich in einem Wettbieten 2016 unter anderem gegen die Deutsche Telekom durch und bewertete Tipico dabei mit 1,3 Milliarden Euro. Die Gründer sollen weiter am Unternehmen beteiligt sein, für den Kauf nahm CVC über eine auf Malta gegründete Dachgesellschaft knapp 600 Millionen Euro Kredit bei der italienischen UniCredit auf. Insgesamt handelt es sich um ein Volumen von mehr als 1 Milliarde Euro, die jährlich in den gemeinnützigen Sport auf allen Ebenen fließen. Ein kurzer Blick auf den administrativen Haushalt des DOSB, der ja sowohl das Nationale Olympische Komitee für Deutschland ist als auch der Dachverband aller nationalen Fachverbände und aller 16 Landessportbünde mit fast 28 Mio. Mitgliedschaften in 91.000 Vereinen.

Mögliche Verstöße gegen Limits und weitere Regeln

Wie es genau losging, lässt das Unternehmen im Dunkeln. Bekannt ist nur, dass sich Mitte der Neunzigerjahre drei Studenten aufmachten, den deutschen Glücksspielmarkt mit einem neuen Angebot für Pferdewetten aufzumischen. Selbst die Namen der Gründer hält das Unternehmen geheim. Sie finden sich jedoch im Handelsregister von Malta. 2004 haben dort vier Deutsche eine Gesellschaft namens „Tipiko“ angemeldet.

Umsätze auf dem deutschen Glücksspielmarkt

Oliver V., Dieter P. und Mladen P. sind damals Anfang 30, neben den Gründern ist auch der 20 Jahre ältere Anwalt Wolfgang K. aus Karlsruhe an der Gesellschaft beteiligt. Oliver V. Er finanziert seine Arbeit in erster Linie aus Vermarktungs- und Spon-soringeinnahmen (42 Prozent), ferner aus Erträgen der Glücksspirale (37 Prozent), einer staatlichen Lotterie, die anlässlich der Olympischen Spiele in München auf Anregung von Willi Daume geschaffen wurde und kürzlich ihren 40.