Tipico und Sportschau: Werbung mit Suchtpotenzial

Mehrere Teilnehmer der Tagung forderten deshalb ein generelles Werbeverbot für Sportwetten.

Die bisherigen Regelungen sind inkonsistent

Aufforderungen für „Ihre Wette in sicheren Händen“ oder den „sicheren Tipp für euch“ sind omnipräsent. Sie richten sich vor allem an junge, sportbegeisterte Männer. Diese Gruppe ist laut Experten besonders anfällig für Sportwetten. Mit markigen Werbeslogans wie „das ist unser Spiel“ soll der Eindruck erweckt werden, Sport und Wetten gehören zusammen. Die Risiken des Glücksspiels werden jedoch weitgehend ausgeblendet.

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Die Politik will deshalb gegensteuern: Sportwetten sollen strenger reguliert und die Branche härter bestraft werden. So lautet der Konsens der Fachtagung des Fachverbandes Glücksspielsucht (FAGS) in Berlin, die von Donnerstag bis Freitag stattfand. Denn wie der Bundesdrogen- und Suchtbeauftragte Burkhard Blienert (SPD) klarstellte: „Die Werbung von heute schafft die Glücksspielsucht von morgen“. Rund 1,3 Millionen Menschen bet gratis fussball wetten ohne einzahlung in Deutschland sind süchtig nach Glücksspielen. Das sind 2,3 Prozent der Bevölkerung, wie aus dem jüngst vorgestellten Glücksspielatlas hervorgeht.

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Weitere 3,25 Millionen Menschen zeigen erste Symptome einer sogenannten Glücksspielstörung und damit ein riskantes Glücksspielverhalten. Das bedeutet, den Spielern entgleitet langsam die Kontrolle, sie spielen häufiger und setzen mehr Geld ein. Dabei geht es nicht nur um Sportwetten, sondern auch um Spielautomaten oder Kasinos. Die Folge laut Blienert: „Menschen können Geld, Familie oder Beruf verlieren, gegebenenfalls sogar das Leben.“ Der erste Einstieg in das Glücksspiel sei die Werbung. „Werbung wirkt eben, wie man so schön sagt“, so Blienert. Der Suchtbeauftragte Blienert könnte sich ein Werbeverbot vor 23 Uhr vorstellen, aktuell gilt es bis 21 Uhr.

Das Ende der Zusammenarbeit – Ausstieg 2020

Warum also bot die Sportschau den Wettfirmen lange Zeit so eine prominente Bühne? Eigentlich sieht der Glücksspielstaatsvertrag wegen des Jugendschutzes zwischen 6 und 21 Uhr eine sogenannte Embargozeit vor, in der keine TV-Werbung für virtuelles Automatenspiel, Onlinepoker und Onlinecasinospiele laufen darf. Für Sportwettenanbieter gilt dieses Verbot jedoch ausgerechnet nicht. Immerhin bet sportwetten steuern schweiz nimmt der Staat von jedem Euro Wetteinsatz 5,3 Prozent Steuern ein. Bei einem Jahresumsatz, der laut Deutschem Sportwetten-Verband 2022 bei 8,2 Milliarden Euro lag, klingelt es da ordentlich in der Kasse.Außerdem verweist die ARD auf Anfrage auf die exklusiven Vorrechte von Event- beziehungsweise Verbandssponsoren.

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Das gelte auch für die Firma Tipico als Premiumartner der DFL. Außerdem verweist die ARD auf Anfrage auf die exklusiven Vorrechte von Event- beziehungsweise Verbandssponsoren. Zeigt die ARD-Sportschau am Samstag ab 18 Uhr also Bundesligafußball, nutzt sie die Medienrechte der DFL. Wie die ARD weiterschreibt, gehört zu diesem Paket auch die Tipico-Werbung. Zwar ist Tipico auch in dieser Saison noch Partner der DFL.

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Doch nach eigener Aussage verzichtet die Firma nun auf ihr Recht, als Sponsor in der ARD-Sportschau aufzutauchen. Wenn schon die ARD nicht den Willen hatte, den Vertrag zu kündigen, dann eben auf diesem Weg. Jede Stadionbande, Trikotbrust und Sendeminute ohne Sportwettenwerbung ist die allerbeste Prävention. Die SPD will stärker gegen Sportwetten und illegales Glücksspiel vorgehen – doch das beißt sich mit aktuellen Plänen des FDP-Justizministeriums. Berlin – Wer im Fernsehen die Bundesliga verfolgt, kommt an Sportwettenwerbung nicht vorbei. „Die Werbung trägt zur erheblichen Gefährdung der Menschen bei. Während der Fußballübertragung kann man sich ihr nicht mehr entziehen.“ Kinder und Jugendliche seien der Werbung „ungeschützt ausgesetzt“. Ob es dazu kommt, ist allerdings unklar. Das Werbeverbot wird im Glücksspielstaatsvertrag geregelt, den die Bundesländer unter teils intransparenten Verhandlungen beschließen.

Vorgabe Umsetzung in Tipico-Werbung Platzierung Beispieltext
Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) Pflicht-Hinweise in Audiospur und Bild Am Spot-Ende, Untertitel "Spiel verantwortungsvoll. Ab 18."
Werbeverbot für Minderjährige Darstellung nur von Erwachsenen, Alterscheck Inhalt der Spots, Zielgruppensteuerung Keine Darstellung von unter 18-Jährigen
Hinweis auf Spielsuchtgefahr Einblendung der Hilfe-Hotline Bildschirmeinblendung, Website-Footer "Hilfe unter 0800 1372700 (kostenlos)"
Verbot irreführender Werbung Realistische Gewinndarstellung, "kann süchtig machen" Integriert in Claims und Botschaften "Gewinnen ist nicht garantiert."

Blienert appellierte an die Länder, das Gesetz entsprechend zu ändern. Im Weg stehen den strengeren Regularien aber auch Pläne des FDP-geführten Justizministeriums, das Strafrecht anzupassen. Geändert werden sollen laut Eckpunktepapier unter anderem die Paragrafen 284 bis 287 StGB, in denen es um illegales Glücksspiel geht. Unter illegales Glücksspiel fallen etwa Pokerrunden, Wettanbieter ohne Lizenz sowie ein Drittel aller Spielautomaten. Blienert findet es richtig, dass Spielsüchtige dadurch gewissermaßen entkriminalisiert werden.

  • Emotionale Werbespots, die den Nervenkitzel des Wettens in den Vordergrund stellen
  • Kampagnen, die auf den "Experten"-Status der Marke hinweisen
  • Werbliche Nutzung von Vereins-Logos oder Ligen-Symbolen (sofern lizenziert)
  • Direktvergleich von Quoten mit anderen Anbietern in der Werbung

Aber es sei jedoch nicht nachvollziehbar, dass gleichzeitig damit auch Anbieter von illegalem Glücksspiel profitierten. „Das ist absolut kontraproduktiv, ja geradezu abenteuerlich.“ Deshalb lehnt er die Pläne ab. Neben der Werbung sollen auch die Anbieter von Glücksspiel stärker reguliert werden. Sie haben ihren Sitz in der Regel in Ländern wie Malta, wo sie sich deutschem Recht entziehen. Der Fachverband Glücksspielsucht will dagegen vorgehen und präsentierte am Rande der Sitzung einen juristischen Erfolg.

  • Aufforderungen zur Teilnahme an Sportwetten mit prominenten Fußballspielern als Testimonials
  • Werbung für Live-Wetten während laufender Bundesliga-Spiele
  • Anzeigen mit großen Gewinnsummen und jubelnden Personen
  • Sponsoring von Sportübertragungen mit eingeblendeten Wettquoten
  • Werbebotschaften, die auf "Spannung" und "mitfiebern" abzielen

So hat der Verband das in Malta ansässige Unternehmen Tipico erfolgreich abgemahnt, weil sie sich im Stadion des FC Bayern München nicht an die aktuellen Regeln gehalten haben. Der Wettanbieter warb mit dem Slogan „Jetzt Wette abgeben“, eine Spielaufforderung, die nicht zulässig ist. Aktuell läuft eine Klage gegen die ebenfalls in Malta ansässige Online-Spielothek SlotMagie. Sie hatte wiederholt vor 21 Uhr auf dem Sender RTL2 für ihr Produkt geworden. Auf die Aufforderung einer Unterlassungserklärung habe SlotMagie nicht reagiert. Einige Kanzleien spezialisieren sich bereits auf Prozesse mit Glücksspielanbietern.

Sportwetten: Bündnis will Werbung deutlich einschränken

gerichtlich dazu gebracht werden, eine Unterlassungserklärung abzugeben und die Werbung für einen illegalen Sportwettanbieter zu verhüllen. Die DFL war vorab nicht tätig geworden. Quellen: gesetze-im-internet.de, DFL und Rheinische Post Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Werbung für Sportwetten und der Manipulation von Sportwettkämpfen? Die in den vergangenen Jahren ausufernde, teils aggressive Werbung für Sportwetten verharmlost die Gefahren des Glückspiels und bildet einen idealen Nährboden für die Manipulation von Sportwettkämpfen durch Wettbetrüger. Denn wer sich an Sportwetten beteiligt, kann leicht in (finanzielle) Abhängigkeiten geraten – bis hin zur Spielsucht.

Bereits registriert oder Abonnent?

Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sportler*innen, Schiedsrichter*innen und Funktionär*innen erpressbar werden oder sich bestechen lassen, um Wettkämpfe zu manipulieren. So ist bekannt, dass das hinter dem „Hoyzer-Skandal“ steckende Netzwerk es gezielt auf wettsüchtige und abhängige Spieler absah (hier gibt es Hintergründe). Glücksspielsucht wird damit zum Einfallstor für Manipulationen, die den offenen Wettbewerb und damit ein wesentliches Element des Sports zerstören. BgSwW-Pressemitteilung: „Pokal-KO für tipico!“ – Keine Wettwerbung auf Amateurplätzen!13. Verbotene Live-Wetten fluten das Netz 22.

Kritiker monieren, dass Gefährdete jetzt auch noch Werbung für ihre Sucht sehen müssen

Januar 2025 - 09:30 Innenminister:innen der Länder fordern, dass illegale Glücksspielangebote ausländischer Anbieter für den deutschen Markt „aufgedeckt, konsequent verfolgt und angemessen bestraft werden“16. ARD-Doku: Spielverderber – wie Wettbetrüger den Fußball manipulieren25. BGH ruft EuGH in Sportwetten Prozess an25. Sportwetten bei der EM: Das Spiel und die Sucht7. ZDF frontal: Warum Sportwetten kein harmloses Hobby sind – mit Nico Heymer3. „Wir haben keine Chancengleichheit“, sagte Ulrich Kemper, Vorstand des FAGS angesichts der „Milliardenumsätze“ der Anbieter. Die „Macht der Sportwetten“ scheint ebenso allgegenwärtig wie die Werbung für das Glücksspiel. Mehrere Tausend Spieler haben Deutschlands größten Sportwettenanbieter Tipico verklagt und teils auch Urteile erwirkt. Doch nach Monitor-Recherchen könnte Tipico das Geld längst in Sicherheit gebracht haben. Seit seiner Kindheit ist der 48-jährige kaufmännische Angestellte Fan des FC Bayern München. Die deutsche Torwart-Ikone warb jahrelang für den Sportwettenanbieter Tipico.

Wirf dein Geld nicht zum Fenster raus!

Kommentar Ein Verzicht auf Sportwettenwerbung ist die beste PräventionTipico-Werbung ist in der ARD-Sportschau nicht mehr zu sehen. Bis zu dieser Fußball-Bundesligasaison war in der ARD-Sportschau auch Werbung des Wettanbieters Tipico zu sehen. Die Firma verzichtet nun auf ihr Recht, als Sponsor in der Sendung aufzutauchen. Dass damit nun Schluss ist, war überfällig. Sicher, die ARD will in der Sportschau Bundesligabilder zeigen, und Sportrechte sind teuer.

ExklusivGlücksspiel:Verzockt und eingeklagt

Aber ist es das bisschen Fußball wirklich wert? Angesichts der vielen zerstörten Existenzen und eines mittleren, dreistelligen Millionenbetrags, der jedes Jahr für die sozialen Folgekosten der Spielsucht aufgewendet wird, verursacht durch stationäre oder ambulante Therapien. Jedes Mal habe ich mich darüber geärgert, wenn in der 18-Uhr-Sportschau - zwischen den Spielberichten - der reißerische Tipico-Werbeclip, untermalt von aggressiver Musik und dem Slogan „Mach dein Ding!“, gezeigt wurde. Fehlt beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der sich über Gebührengelder finanziert und anders als die Privaten nicht auf Werbung angewiesen ist, die Sensibilität, dass um diese Zeit viele Jugendliche vorm Fernseher sitzen? Viele Jugendspieler, die ich nach ihrer Einstellung zu Sportwetten gefragt habe, sagten mir, dass sie die Welt nicht mehr verstehen.

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Einerseits geben ihre Vereine viel Geld für teure Präventionskurse aus, die sie über die Gefahren der Spielsucht aufklären. Andererseits kommt man weder im Netz, noch im Fernsehen und auch im Stadion kaum an Sportwettenwerbung vorbei. Der Deutsche Fußball-Bund lässt sich von bwin sponsern. Der ehemalige Nationaltorwart Oliver Kahn verkaufte sein prominentes Werbegesicht an Tipico. Und auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus pfeift auf seine Vorbildfunktion und ist sich nicht zu schade, als Werbeonkel für Interwetten aufzutreten. "Ihre Wette in sicheren Händen", versprach Kahn - und so begann Keller 2015 mit Sportwetten.

Kanal Zielgruppe Typische Botschaft Budgetanteil (ca.)
Fernsehwerbung Breite Masse, Sportfans Markenbekanntheit, Live-Wetten 40%
Online-Video (YouTube, etc.) Jüngere, digitale Zielgruppe App-Features, Quoten-Boost 25%
Social Media (Facebook, Instagram) 18-35 Jahre, männlich Community, Aktionsangebote 20%
Außenwerbung (Stadien, Plakate) Lokal gebundene Sportfans Präsenz bei Sportevents 10%
Sponsoring (Vereine, Events) Emotionale Bindung an Clubs Markenassoziation mit Sport 5%

Am Ende hatte er mit Sportwetten und Glücksspiel rund 80.000 Euro verloren. Jetzt will Keller (Name geändert) sein Geld vom größten deutschen Sportwettenanbieter zurück - und nicht nur er: "6.000 Klagen - eher mehr" gebe es, schätzt Rechtsanwalt Achim Görg aus Ludwigsburg.